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Freitag, 1. Mai 2015

Rezension: "Geheimnisvolles Vermächtnis" - von Mary Hooper






Bloomsbury Verlag (2012)
Seiten: 368
Preis: 8,95 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-8333-5096-2














Inhalt
Wir schreiben das Jahr 1861 in London. Die 15-jährige Grace lebt zusammen mit ihrer Schwester Lily im ärmsten Viertel von ganz London und kämpft Tag für Tag ums Überleben. Beide ahnen nicht, dass sie via Zeitungsannonce als Erben eines großen Vermögens gesucht werden. Die Unwins geben Grace eine Anstellung als Sargbegleiterin in ihrem Bestattungsunternehmen und nehmen auch Lily in den Haushalt auf. Sie wollen sich heimlich das Erbe der unwissenden Mädchen zu Eigen machen. Werden die Mädchen um ihr Glück betrogen oder werden sie es doch noch finden?


Bewertung
Mary Hooper kann dem Leser die teilweise wirklich erschreckenden Lebensumstände dieser Zeit bildlich vor Augen führen. Ihr Schreibstil ist sehr flüssig und anschaulich. Zudem ist dieser historische Jugendroman sehr gut recherchiert, was beispielsweise das Nachwort zeigt, indem nochmals viele Hintergrundinformationen erläutert werden. 

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und handeln nachvollziehbar. In die Geschichte sind zudem hier und dort berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit eingewoben, was einem den historischen Kontext noch näher bringt. So haben Königin Viktoria und König Albert sowie Charles Dickens einen kleinen Gastauftritt.
Was weiterhin als besonderes Merkmal zu erwähnen ist, dass jedes Kapitel mit einer Zeitungsannonce, einer Grabinschrift oder Werbeanzeige der damaligen Zeit beginnt. Dies ist ein nettes Detail.

Der Plot der Geschichte, die Wendungen und auch das Ende sind jedoch etwas mau.  Vielleicht liegt es daran, dass dies ein historischer Jugendroman ist und daher die Handlungen und Personen nicht so komplex wie in „normalen“ historischen Romanen. Man erhält sehr viele Einblicke in die Bestattungskultur und -rituale der viktorianischen Zeit. Dies ist zwar recht interessant aber eindeutig zu viel in diesem Buch, sofern man sich nicht überdurchschnittlich doll für Bestattungsriten des viktorianischen Zeitalters interessiert =).


Fazit
Die Geschichte überzeugt durch tollen Einblick in die Lebensumstände der damaligen Zeit - jedoch nicht durch große Spannung oder überraschende Wendungen.


Wertung
✩✩✩


Challenge
13. Ein Buch, das du im Herbst/ Winter 2014 gekauft (oder geschenkt bekommen) hast

Samstag, 25. April 2015

Rezension: "Vergiss ihn nicht" - von Liane Moriarty




Bastei Lübbe (2009)
Seiten: 540
Preis: 8,99 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-404-1656-98













Inhalt
Alice Love schlägt sich bei einem Sturz im Fitnessstudio den Kopf an. Als sie wieder zu sich kommt fehlen ihr jegliche Erinnerungen an die letzten 10 Jahre ihres Lebens. Alice denkt es ist 1998, sie ist 29 Jahre alt, schwanger mit ihrem ersten Baby und wahnsinnig glücklich mit ihrem Ehemann Nick. Doch sie muss heraus finden, dass sich die Dinge doch anders entwickelt haben, als sie es je erwartet hätte.

Bewertung
In dieser Geschichte geht es darum mit Alice zusammen herauszufinden, was in den 10 Jahren an die sie sich nicht mehr erinnert passiert ist und warum sich die Dinge entwickelt haben, wie sie es taten. Sie ist nicht 29 sondern 39, nicht schwanger mit ihrem ersten Kind, sondern hat bereits drei Kinder und in ihrer Ehe liegt auch einiges im Argen.


Die Geschichte wechselt zwischen dem, was Alice erlebt und ihren Flashbacks, den Eintragungen auf dem Blog ihrer Großmutter Frannie und den Einträgen in das Tagebuch von Alice Schwester Elizabeth. Liane Moriarty schafft es in diesem Roman sehr sympathische Charaktere zu kreieren, mit denen man lacht und leidet. Obwohl die Geschichte eher leicht und lustig ist, behandelt dieses Buch doch auch noch ein tiefgründigeres Thema, welches sich durch den Klappentext nicht erahnen lässt. 

 
Mir hat der Grundgedanke der Geschichte gefallen. Alice erinnert sich daran, was sie ursprünglich liebte, welche Ziele sie hatte und was ihr wichtig war. Und sie entdeckt wie und warum sie von diesem Weg abgewichen ist. Zudem versucht sie die Sachen wieder ins Lot zu bringen. Ob sie es schafft muss natürlich jeder selber lesen. Nur so viel sei gesagt: Das Ende ist nicht so vorhersehbar, wie man im ersten Moment denken könnte, sondern durchaus überraschend.


Das Buch ist zwar insgesamt leicht und locker zu lesen - allerdings ist es nicht zu simpel gestrickt oder zu oberflächlich, wie es bei vielen Chick-Lit Büchern der Fall ist. Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen und ich habe ihn gern gelesen. Manchmal hätte man das Ganze auch ein wenig abkürzen können d.h. man hätte die Geschichte auch sehr gut in 100 Seiten weniger erzählen können. Aber ansonsten kann ich es jedem empfehlen. Ich werde sicher noch mehr von der Autorin lesen.


Fazit

Ein sehr unterhaltsames Buch, eine tolle Geschichte und sehr sympathische Charaktere: perfekte Frühlingslektüre!


Wertung

✩✩✩✩


Challenge

12. Schokolade mit Cremefüllung: Lies ein gelbes oder beiges Buch

Dienstag, 14. April 2015

Rezension: "Momo" - von Michael Ende





Thienemann Verlag
Erstmals erschienen 1973
Broschiert, 272 Seiten
Preis: 14,95 € (in der neueren Ausgabe)
ISBN: 978-3522201889












Inhalt

Die kleine Momo lebt in den Ruinen eines Amphitheaters am Rande einer Großstadt. Sie hat keine Eltern mehr und besitzt nicht weiter als das, was man ihr schenkt. Aber sie hat ein besonderes Talent: Sie kann zuhöhren. Wenn jemand ein Problem hat heißt es: „Geh zu Momo“. Und wenn dann die Menschen eine Weile mit Momo geredet haben, so geht es ihnen besser. Doch eine Bedrohung zieht herauf: die Grauen Herren. Sie wollten die Menschen dazu bringen ihre Zeit zu sparen und stehlen sie ihnen. Nur Momo kann sie aufhalten. 

Bewertung

Seit längerer Zeit stand dieses Buch bei mir im Regal. Ich hatte es noch nie gelesen aber immer vor, da „Momo“ fast schon ein Klassiker ist. Und was soll ich sagen… Es ist ein absolut großartiges Buch. Es ist erstaunlich, dass das Buch vor mehr als 40 Jahren erschienen ist, denn die Problematik, die Michael Ende hier anspricht passt auch heute mehr denn je. In dieser Geschichte steckt sehr viel Wahres drin. Man hetzt umher, hat irgendwie nie Zeit und vergisst sehr leicht das Wesentliche. Herr Ende hält dem Leser den Spiegel vor, ohne dass es zu sehr wie ein Fingerzeig wirkt. 


Der Roman lässt sich ganz wunderbar lesen. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und detailreich und passt völlig zum Genre des Märchenromans. Und etwas muss ich noch anmerken: Das Buch enthält Bilder. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, seit dem ich ein Buch gelesen habe indem es Bilder gab. Das war zur Abwechslung mal wieder sehr schön und hat einen etwas in die Kindheit zurückversetzt.


Auch die verschiedenen Charaktere mit all ihren Eigenheiten und Gegensätzen kann der Autor dem Leser herrlich nahe bringe: Beppo Straßenfeger, Gigi Fremdenführer und natürlich Kassiopeia die Schildkröte sind allesamt sympathische und tolle Figuren.

Aber auch die fantasievollen Abenteuer kommen nicht zu kurz, sodass das Buch sowohl für Kinder als auch Erwachsene geeignet ist. Ich finde darin liegt die große Kunst, ein Buch zu schreiben, was Kindern einfach Spaß macht und ihnen Abenteuer beschert und für Erwachsene gleichsam lehrreich und unterhaltsam ist. Mich hat Momo sehr zum Nachdenken angeregt und es wirkt noch bei mir nach. Aber gleichermaßen Spaß hat mir die Geschichte gemacht.


Zitate

„Niemand schien zu merken, daß er, indem er Zeit sparte, in Wirklichkeit etwas ganz anderes sparte. Keiner wollte wahr haben, daß sein Leben immer ärmer, immer gleichförmiger und immer kälter wurde. […] Aber Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Und je mehr die Menschen daran sparten, desto weniger hatten sie.“ S.72



„'Siehst Du, Momo', sagte er, 'es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang, die kann man niemals schaffen, denkt man.' Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: 'Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun, und zum Schluss ist man ganz aus der Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen!' Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: 'Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst Du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, den nächsten Atemzug, den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur den nächsten.' Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: 'Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.'“ (S. 36/37)



Fazit

Dieser Roman ist voller Fantasie, Wahrheit und Tiefgang und absolut lesenswert für jung und alt! Besonders, wer sehr im Stress ist, sollte dieses Buch einmal wieder lesen.


Wertung


✩✩✩✩✩


Challenge

SUB-Destroyer Challenge


24. Ein Buch, das dir persönlich am Herzen liegt

Samstag, 7. März 2015

Hörbuch - Rezension: Die Mitternachtsrose von Lucinda Riley






Der Hoerverlag
(27.01.2014)
Gesprochen von Simone Kabst
ungekürztes Hörbuch (16 Std. 33 Min)
Preis: 9,95 €
ISBN:
978-3-8445-1769-9







Inhalt

Indien - Der junge erfolgreiche Inder Ari Malik bekommt von seiner Urgroßmutter ein Manuskript überreicht, in welchem sie ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben hat. Erst einige Jahre nach ihrem Tod fällt ihm dieses wieder in die Hände und er entdeckt, welche erstaunliche Reise seine Urgroßmutter Anahita in ihrem Leben hinter sich hat. Um ihrem Vermächtnis auf die Spur zu gehen reist er nach England.

England: Die Schauspielerin Rebecca Bradley reist für die Dreharbeiten ihres neuesten Films, welcher in den 20er Jahren spielt, nach England auf das Herrenhaus Astbury Hall, welches als Filmkulisse dient. Sie ist froh in der Abgeschiedenheit des Anwesens ein wenig Ruhe vor den Medien zu haben und wird vom Hausherren Antony sowie der Haushälterin Mrs. Travis mit offenen Armen aufgenommen. Gemeinsam mit Ari versucht sie die Geheimnisse um Anahita und die Familie der Astburys zu lüften sowie herauszufinden warum sie selbst der verstorbenen Violet Astbury wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Bewertung

Auch hierbei handelt es sich um eine tragische Liebes- und Familiengeschichte, welche ihren Ursprung vor einigen Jahrzehnten hatte und deren Folgen bis in die Gegenwart reichen. Dabei ist das Ganze mit einem Familiengeheimnis verwoben, dass es aufzudecken gilt. Lucinda Riley führt wunderbar interessante Zeiten und Schauplätze gekonnt zueinander. Begonnen bei Anahitas Kindheit im Indien Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts über England während des ersten Weltkrieges bis in die Gegenwart. Am Anfang der Geschichte wird die Rahmenhandlung der Gegenwart aufgespannt und während des Verlaufs der Geschichte setzt sich wie bei einem Puzzle zusammen, wie es dazu kam. Dabei kann man dem Wechsel der Zeiten und Handlungsstränge sehr gut folgen.

Die Geschichte ist gleichsam schön wie tragisch. Die Charaktere des Buches sind alle sehr anschaulich gestaltet und auch von der Sprecherin gut unterscheidbar umgesetzt worden. Die Protagonistin Anahita ist eine kluge faszinierende Frau, deren Lebensgeschichte berührt und fesselt. Die junge Rebecca Bradley hingegen ist eher passiv und nicht ganz so gut ausgearbeitet wie die Figur der Anahita. Wie üblich gefällt mir bei Frau Riley Romanen die Handlung, welche in der Vergangenheit spielt besser als die Gegenwartshandlung. Sie hat mehr Tiefe und Spannung.
Atmosphärisch kann Lucinda Riley die jeweilige Umgebung und das Ambiente für den Leser bildlich beschreiben. Man kann toll in die malerische exotische Landschaft Indiens oder ins kühle elegante England eintauchen. Der Roman enthält einige spannenden Wendungen während einige Aspekte etwas vorhersehbar sind. Aber insgesamt ist man bis zur letzten Seite (oder hier Minute) gespannt, wie sich alles zusammenfügen wird. Gerade das Ende hat noch einmal eine gewisse Tragik. Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen und eine tolle Stimmung gehabt. Diese Kombination von Indien und England hat mir besonders gefallen, da Indien als Schauplatz für mich mal etwas sehr Neues war. Wer ein Buch von Lucinda Riley mochte, der mag sie in der Regel alle. Dieses ist das vierte Buch, welches ich von der Autorin gelesen (oder als Hörbuch gehört) habe - ich finde es war bisher ihr bestes Buch.

Fazit

Für Fans von Familiensagen, tragischen (Liebes-) Geschichten und folgehaften Verstrickungen ein Muss. Die Verbindung der Schauplätze Indiens und Englands erzeugen eine besondere Stimmung, welche einen vollends mitreißen kann. Absolute Hör- und Leseempfehlung!

Wertung


✩✩✩✩✩


Challenge

SUB-Destroyer Challenge
11. Ein Buch von einem Autor, von dem du schon mehreres gelesen hast